Pizza, Panoramax und ungeplatzte Frühstückseier

26.05.2026 von Katja Haferkorn, Oliver Rudzick

FOSSGIS-OSM-Communitytreffen Nr. 25

Vom 30. April bis 03. Mai 2026 trafen sich wieder 33 Aktive aus der deutschsprachigen OpenStreetMap- und FOSSGIS-Community zum FOSSGIS-OSM-Communitytreffen im Linuxhotel in Essen.

Das Besondere an diesen Treffen ist die Mischung aus Hackathon, Vereinsarbeit, Netzwerktreffen und Ideenwerkstatt. Der Ablauf entsteht gemeinschaftlich vor Ort aus aktuellen Fragen und konkreten Problemen: Morgens Sessionplanung, tagsüber Arbeiten an den Themen, Workshops, gemeinsames Arbeiten an Projekten und spontane Diskussionen und – abends Pizza, Grillen und Gespräche bis spät in die Nacht.

Gruppenfoto am Freitag

Ein langes Wochenende voller Themen

Die Sessionliste zeigt eine Vielfalt an Themen und das Spektrum von Communitys. Neben technischen Themen wie Verkehrsdatenerfassung, Hausnummernauswertung, Qualitätssicherung oder dem freien online-Bilderdienst Panoramax standen organisatorische Fragen des FOSSGIS e.V. und auch gesellschaftspolitische Fragen im Zusammenhang mit FOSS und OSM im Mittelpunkt.

Diskutiert wurde unter anderem über:

  • digitale Souveränität im Geobereich,
  • Open-Source-Strategien in Verwaltung und Behörden,
  • Vereinsentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit,
  • Verkehrs- und Radinfrastruktur in OpenStreetMap,
  • Panoramax und freie Bildplattformen,
  • Konferenzorganisation,
  • Open Data und kommunale Zusammenarbeit.

Besonders sichtbar wurde dabei, wie stark OpenStreetMap inzwischen in reale Verwaltungsprozesse und verschiedene Formen der Mobilität hineinwirkt. Behörden, Verkehrsunternehmen und Tourismusorganisationen nutzen OSM-Daten zunehmend produktiv – gleichzeitig wächst der Bedarf an Austausch mit der Community. Ein gutes Beispiel für eine technische Diskussion war die Panoramax-Runde: Dort wurde gemeinsam an Docker-Setups, lokalen Blurring-Servern und ARM-Kompatibilität gearbeitet. Auch praktische OSM-Fragen spielten eine große Rolle: Wie lassen sich Baustellen und Straßensperrungen besser erfassen? Welche Rolle können Bots übernehmen? Wie gelingt Zusammenarbeit mit Kommunen ohne Qualitätsverlust? Immer wieder zeigte sich dabei ein zentrales Motiv der Community: lokale Expertise ist entscheidend.

Vereinsentwicklung nach innen: Strukturen schaffen

Neben Technik und Mapping wurde intensiv über die Zukunft des Vereins diskutiert, dabei geht es um Weiterentwicklung und Professionalisierung von Strukturen des FOSSGIS e.V., also wie der Verein angesichts wachsender Aufgaben organisatorisch aufgestellt sein will.

Eine Session betrachtete die zukünftige Organisation von Arbeitsgruppen im Verein. Diskutiert wurde die Abgrenzung zwischen dauerhaften Arbeitsgruppen, eher informellen Interessengruppen und kurzfristigen Task Forces für spontane Themen. Künftig sollen Arbeitsgruppen im FOSSGIS e.V. bestimmte Mindeststandards erfüllen: Dazu gehören ein Mission Statement, klar formulierte Ziele, mindestens drei aktive Mitglieder sowie definierte Arbeits- und Dokumentationsstrukturen.

Die technische Infrastruktur des Vereins wurde in der Diskussion zur Mitgliederverwaltung und den Vereinstools kritisch betrachtet. Es wurde darüber gsprochen, welche Anforderungen der Verein hat und wie die verschiedenen Systeme integriert sein können. Der Administration schlägt vor, stärker auf Single-Sign-On-Lösungen zu setzen und damit bestehende Werkzeuge besser miteinander zu verbinden.

Die Anpassung der Mitgliedsbeiträge ist aktuell Thema, es wurde über die zukünftige Gestaltung gesprochen. Einerseits braucht es einen Abgleich mit der allgemeinen Inflationsentwicklung, andererseits besteht die Frage, wie juristische Mitglieder stärker eingebunden werden können und welches Modell es langfristig ermöglichen könnte, eine bezahlte Stelle für Themen juristischer Mitglieder und institutioneller Zusammenarbeit zu schaffen.

Vereinsentwicklung nach außen: Sichtbarkeit und Vernetzung

Auch die Außenwirkung des Vereins spielt eine große Rolle. Ein wichtiges Thema ist die Weiterentwicklung der Dienstleisterliste des Vereins. Hiermit sollen Organisationen und Verwaltungen dabei zu unterstützt werden, Anbieter für Open-Source-Lösungen zu finden. Dabei soll sichtbar werden, welche Unternehmen aktiv zum Open-Source-Ökosystem beitragen und über entsprechende Lösungskompetenz verfügen. Hier wäre eine beratende Arbeitsgruppe, die in schwierigen oder kritischen Fällen unterstützend tätig werden könnte, hilfreich.

Diskutiert wurde auch über die zukünftige Gestaltung der Vereinswebseite. Die Webseiten sollen stärker als bisher inhaltliche Impulse liefern und die Arbeit des Vereins sichtbarer machen. Dazu gehört beispielsweise eine bessere Auffindbarkeit von Konferenzvideos und Programminhalten, sichtbarer dargestellte Vereinsstrukturen, mehr Dokumentation von Projektergebnissen, aufgeräumtere Wiki- und Informationsstrukturen. Gerade angesichts der wachsenden Bedeutung des Vereins wurde deutlich, wie wichtig gute Kommunikation und transparente Informationsangebote geworden sind.

Die Rolle von Veranstaltungen und Communitytreffen wurde reflektiert. Ziel vieler Aktivitäten ist es, OpenStreetMap und FOSSGIS bekannter zu machen und Menschen zur Mitarbeit einzuladen. Dabei spielt auch das neu etablierte Online-Vernetzungstreffen eine Rolle, das Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern einen niederschwelligen Einstieg in aktive Vereinsarbeit ermöglichen soll. Gleichzeitig wurde diskutiert über regionale Treffen mehr Sichtbarkeit zu erzeugen. Es existieren vielerorts OSM-Stammtische/ OSM-Treffen, Treffen von FOSSGIS-Mitgliedern könnten sich neu etablieren.

Wie relevant viele Themen inzwischen auch gesellschaftlich geworden sind, zeigte sich in mehreren Sessions rund um digitale Souveränität und Freie Software. Unter anderem wurde ein Beitrag des FOSSGIS e.V. für die Mai-Ausgabe 2026 von Business Geomatics vorbereitet und eine Art „Argumentarium für FOSS“ besprochen, welches Argumente und Positionen für den Einsatz Freier Open-Source-Software bündeln soll.

Der FOSSGIS e.V. erhält eine DSEE-Förderung, um OSM-Schulungen zu entwicklen. Das Förderprojekt umfasst sowohl die inhaltliche Erstellung von Schulungsmaterialien als auch die organisatorische Begleitung durch eine Arbeitsgruppe. Konkret diskutiert wurde die Ausschreibung einer Stelle zur Koordination der Schulungen.

Alle TN genießen die konstruktive und offene Atmosphäre des gemeinsamen Arbeitens. Das Linuxhotel selbst gehört inzwischen zur DNA des Treffens. Zwischen Ruhrpanorama, Kaminzimmer, Garten und Arbeitsräumen entstand erneut genau die Mischung aus konzentrierter Arbeit und entspannter Atmosphäre, die viele Teilnehmende sehr schätzen.

Panorama ohne Panoramax: Blick auf die Ruhr hinter dem Linuxhotel mit Vollmond

Gearbeitet wurde im großen und kleinen Seminarraum, Kaminzimmer oder einfach draußen auf der Wiese. Dazu kamen die traditionelle Pizza am ersten Abend, gemeinsames Kochen, Grillen und Essen mit spontane Gesprächen über allerlei Themen. Die Fotos vom Wochenende zeigen genau diese besondere Mischung aus Community, Technik und Lagerfeuerstimmung. Dabei ergab sich auch eine ganz praktische Erkenntnis: Weil wir uns am Tag der Arbeit auch beim Frühstück selbst versorgen mussten, entstand eine ausführliche Diskussion, ob die Frühstückeier vor dem Kochen angepiekt werden müssen. Ein praktischer Versuch ergab, dass von 20 nicht angepiekten Eiern 19 beim Kochen nicht geplatzt waren.

Einkauf zur Selbstversorgung für 25 Leute an 3 Tagen
Man kann sich auch draußen im schönen Garten des Linuxhotels zusammensetzen. Natürlich mit WLAN-Abdeckung. Anfang Mai ist Sonnencreme wichtig.
Nachtisch am Samstag Abend: Quarkspeise mit dem FOSSGIS-Kompass

Warum solche Treffen wichtig sind

Das Communitytreffen zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass OpenStreetMap weit mehr ist als „nur eine Karte“. Hier treffen sich Entwickler:innen, Mapper:innen, Verwaltungsmitarbeitende, Vereinsaktive und Open-Source-Enthusiast:innen, um gemeinsam an freier digitaler Infrastruktur zu arbeiten.

Gerade in Zeiten zunehmender Abhängigkeit von proprietären Plattformen sind diese Austauschräume wichtig, um Menschen und Ideen zusammenzubringen, Probleme gemeinsam zu lösen und mit neuer Motivation weiter zu machen.

Das nächste FOSSGIS-OSM-Communitytreffen Nr. 26 findet vom 02.-04.10.2026 im Linuxhotel statt.

Wikiseite mit ausführlicher Dokumentation der Ergebnisse des Treffens:
https://www.fossgis.de/wiki/FOSSGIS_OSM_Communitytreffen_2026_Nummer_25