Schwärzungen und Abschaltungen am 21. März auch bei OpenStreetMap

OpenStreetMap Deutschland und die OpenStreetMap Foundation sprechen sich gegen die Uploadfilter aus und rufen mit geschwärzten Karten, abgeschalteten Websites und Aktionsbannern zur Teilnahme an Demonstrationen am 23. März auf.

Am 26. März stimmt das EU-Parlament zum letzten Mal über die neue EU-Urheberrechtsrichtlinie ab. Nach wie vor liegen dabei Pläne auf dem Tisch, die Online-Plattformen vorschreiben würden, dass alle Nutzerbeiträge vor Veröffentlichung automatisch auf mögliche Urheberrechtsverletzungen geprüft werden müssen. Das läuft auf Uploadfilter hinaus.

OSM Deutschland führt die Folgen der Urheberrechtsrichtlinie vor Augen wird am 21. März – parallel zur Abschaltung der deutschen Wikipedia – Teile der Karte auf OpenStreetMap.de schwärzen. Davon sind auch alle Webseiten betroffen, die ihre Karten vom spendenfinanzierten deutschen OpenStreetMap-Tileserver beziehen. Eine Reihe weitere Projekte aus dem OpenStreetMap-Umfeld, die die Daten für Nutzer zugänglich machen, werden ihre Besucher auf die Demonstrationen am 23. März und die Abstimmung am Dienstag im Parlament hinweisen. Die internationale Projektwebsite openstreetmap.org und der Daten-Extrakt-Dienst extract.bbbike.org zeigen einen Banner zu dem Thema an. Die von unzähligen Websites genutzte Abfrageschnittstelle Overpass-API und das Daten-Download-Angebot download.geofabrik.de werden am 21. März teilweise abgeschaltet und zeigen nur schwarze Seiten mit einer Erklärung.

Screenshot der Kartenseite von www.openstreetmap.de am 21. März

Während große Konzerne, die wohl das Ziel dieser Vorschriften zu sein scheinen, die Ressourcen haben, Filter zu entwickeln und einzusetzen, drohen kleine, ehrenamtliche Projekte, unter die Räder zu geraten. Die freie Weltkarte OpenStreetMap würde es besonders hart treffen. Bei OpenStreetMap können alle, die daran interessiert sind, mitmachen und die Karte verbessern. Da Änderungen binnen weniger Minuten auf vielen Karten weltweit sichtbar werden, sind tausende Menschen motiviert, täglich daran mitzuarbeiten.

Die OSM-Daten werden auch in Krisensituationen wie bei Erdbeben und Wirbelstürmen genutzt, um humanitäre Hilfe zu leisten. Auf der speziellen Informationsseite openstreetmap.de/uf führt OSM Deutschland daher aus, warum die Richtlinie die Existenz des Projektes in Frage stellt.

OpenStreetMap Deutschland ruft alle, denen das Projekt am Herzen liegt, auf, sich an den vielerorts stattfindenden Demonstrationen am 23. März zu beteiligen.

Frederik Ramm, Vorstandsmitglied der internationalen OpenStreetMap Foundation, stellt fest: "OpenStreetMap spielt fair und achtet penibel auf Urheberrechte. Urheberrechtsverletzungen durch übereifrige Projektmitglieder sind selten und werden sofort rückgängig gemacht, wenn sie uns zu Ohren kommen. Dennoch könnte die neue Richtlinie genutzt werden, um uns zu zwingen, alle Beiträge vor Veröffentlichung zu sichten und auf mögliche Urheberrechtsverletzungen zu untersuchen. Ob automatisch oder manuell, dieser Prozess wäre fehleranfällig und würde so viele personelle und finanzielle Ressourcen binden, dass wir den Laden auch gleich zumachen könnten."

Michael Reichert, zweiter Vorstand des FOSSGIS e.V. und von OpenStreetMap Deutschland ergänzt: "Neben der Datenaktualität bedrohen Uploadfilter auch die Unabhängigkeit des OpenStreetMap-Projektes an sich. Das Projekt wäre gezwungen, Vergleichsdaten seiner Konkurrenten einzukaufen, nur um selber Daten veröffentlichen zu dürfen."

Michael Reichert weiter: "Die Grenzen, unterhalb derer Plattformen von den strengen Regeln ausgenommen werden, sind lächerlich. OpenStreetMap hat die Grenze von 5 Millionen Benutzerkonten vor einigen Monaten überschritten. Viel schlimmer ist jedoch die Altersgrenze von drei Jahren für Plattformen, ab der Uploadfilter de-facto verpflichtend werden. Für ältere Plattformen gilt unabhängig von ihrer Größe die volle Härte des Gesetzes, was eine unangemessene Benachteiligung kleiner und ehrenamtlicher Projekte bedeutet.

Weitere Informationen zur Kampagne gegen die EU-Urheberrechtsrichtlinie sind unter savetheinternet.info zu finden.

Über OpenStreetMap

OpenStreetMap ist ein im Jahre 2004 gegründetes internationales Projekt mit dem Ziel, eine freie Weltkarte zu erschaffen. Dafür sammeln tausende Freiwillige weltweit Daten über Straßen, Flüsse, Wälder, Ladengeschäfte und vieles mehr. Die Kartendaten können von jedem kostenlos heruntergeladen und beliebig weiterverwendet werden – auch kommerziell. Es ist damit möglich, eigene Spezialkarten zu erstellen oder Routen zu berechnen. OpenStreetMap-Daten werden besonders häufig von Wanderern, Radfahrern, öffentlichen Verkehrsunternehmen, Logistikunternehmen, Feuerwehren und Rettungsdiensten verwendet.

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Manfred Reiter vorstand@opensaar.de
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